
Erschienen in «hottelling» im Juli 2006:

Ist das Rauchverbot für die Gastronomie noch aufzuhalten? Wer sind Gewinner, wer die Verlierer?
"Das Ende der Toleranz" – so titelte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zum Thema gesetzliches Rauchverbot. In ganz Europa und bald auch in Deutschland regen sich die Nichtraucher, die dem Qualm am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit und auch in der Stammkneipe den Garaus bereiten wollen. Bundesgesundheitsminister Seehofer lässt derzeit einen Gesetzentwurf vorbereiten, obwohl die sog. Zielvereinbarung Nichtraucherschutz des Dehoga – geschlossen am 1. März 2005 mit dem Bundesgesundheitsminister – noch bis zum Frühjahr 2008 laufen soll. Die Zeichen stehen auf Sturm: 47 Prozent der Deutschen sind für ein Rauchverbot in der Gastronomie und nur 41 Prozent dagegen, ergibt eine Allensbach-Umfrage vom Juli. Und 62 Prozent der Profigastgeber glauben nicht daran, dass die Dehoga-Vereinbarung das gesetzliche Rauchverbot aufhalten wird. Dies geht aus einer Blitzumfrage dieser digitalen Fachzeitschrift hervor. Tatsächlich bereiten sich immer mehr Hoteliers und Gastronomen auf ein komplettes Rauchverbot vor, untersagen im Restaurant und öffentlichen Bereichen den Qualm. Dies wird einem Trend gerecht. Mehr aber auch nicht. 50 Prozent der jüngeren, zigarettenfreundlichen Bevölkerung (16 bis 29 Jahre) meinen nicht, dass auch in der Gastronomie ein Rauchverbot wirklich notwendig wäre. Zum Vergleich: 71 Prozent sind für ein Raucherverbot in Ämtern. Die Kernfrage in dieser gesellschaftlichen Entwicklung stellt sich nicht nach dem Ob und Warum, sondern Wo und Wie. Und: Sind Umsatzeinbußen mit einem gesetzlichen Rauchverbot zu befürchten? Wirtschaftsverbände wie Dehoga sagen ja, in der Branche selbst ist Votum nicht deutlich. 55 Prozent erwarten keine Verluste, 44 Prozent schätzen dem Umsatzrückgang auf bis zu 40 Prozent. (...)
________________________________________________________________
Erschienen in «hottelling» im Juni 2006:

"Dubai 1000": Wie man ein Hotelprojekt in den Sand setzt
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Wirtschaftsboom in Dubai lockt auch Glücksritter, Geldhaie und Finanzbetrüger an. So hat sich auch die unrühmliche Akzenta AG am arabischen Golf engagiert; die Kapitalanlagefirma versprach ihren Anlegern wundersame Geldvermehrungen, doch dann wurden die Vorstände Ende Mai verhaftet - wegen happiger Vorwürfe von Betrug über Untreue bis zu Steuerhinterziehung. Georg Recker, der vermeintlich findige Steuerberater und Initiator des Hotelfonds "Dubai1000", verspricht goldene Zeiten: "Für den Investor wird eine jährliche steuerfreie Ausschüttung von zehn Prozent und mehr prognostiziert", ist in einer Pressemitteilung von Juli vergangenen Jahres zu lesen. Da war auch noch die Rede von einem Betreibervertrag mit Rezidor SAS für das geplante 1000-Zimmer-Hotel. Einen Monat später der erste Rückzug – bei Rezidor SAS in Brüssel erkannte man die Haken in diesem Konzept und zog sich erschrocken zurück – wie bei einer heißen Herdplatte. Recker zog Plan B aus der Tasche, ein Managementvertrag mit Maritim wurde präsentiert. Allerdings umging man dabei in Bad Salzuflen die gewohnten Wege mit dem für internationale Destinationen zuständigen Kölner Entwicklungspartner HMS, was ebenso bis heute für Branchendiskussionen sorgt. (...)
________________________________________________________________
Erschienen in «hottelling» im April/Mai 2006:

Bis zu 40 Prozent des Gehalts sind erfolgsabhängig – Studie der VON BONIN Personalberatung
Alte Gehaltsmuster taugen nicht mehr. Doch vielen Unternehmen fällt es schwer, die eingefahrenen Wege zu verlassen. Leistungsorientierten Entlohnungsmodellen gehört die Zukunft, das zeigen Umfragen. Für viele Unternehmen und Beschäftigte bedeutet variable Vergütung Umdenken, Kreativität in der Ausgestaltung, enge Kommunikation mit Mitarbeitern und Führungskräften, um eine faire Basis für das neue Gehaltsgefüge zu erreichen. Nicht Lohnkosten einsparen sollte die Antriebfeder für ein neues Entlohnungsmodell sein. Sondern vielmehr die Chance, das vorhandene Personalbudget leistungsgerecht und fair zu verteilen sowie das Optimum aus den vorhandenen Personalressourcen herauszuholen. Kostenersparnis ist dann meist ein glücklicher Nebeneffekt. Ebenso kommt aber auch an den Tag, wer im Unternehmen Leistungsträger ist und wer nicht. Die Variable wird als Steuerungsinstrument zur Entwicklung von High Performern aller Hierarchiestufen eingesetzt. (...)
_______________________________________________________________
Erschienen in «hottelling» im März 2006:

Wie Hospitality Alliance-Chef Alexander Fitz unter den Folgen der Hotelbau-Wut seines Vaters Helmut Fitz zu leiden hat – Staatsanwaltschaft ermittelt und durchsucht Büros
Alexander Fitz ist ein erfolgreicher Hotelier. Als Chef der Hospitality Alliance AG ist er Herr über 60 Häuser der Marken Ramada und Treff und fuhr gerade einen Jahresgewinn von 3,7 Millionen Euro ein – bei einem leicht gestiegenen Umsatz in Höhe von 205,2 Millionen Euro. Doch nun ragen Schatten aus alten Zeiten über ihn. Fitz, der Ende April seinen 37. Geburtstag feiert, ist neben seinem Vater Helmut im Fokus eines Ermittlungsverfahren der Thüringer Staatsanwaltschaft. Es geht um den Vorwurf des Subventionsbetruges beim Bau des Ramada Hotels Friedrichroda – ein Vorwurf aus einer anonymen Anzeige, die vor langer Zeit bei der Staatsanwaltschaft in Bochum einging und schließlich den Weg zu den Strafverfolgern nach Mühlhausen fand, jener Staatsanwaltschaft, die auch gegen den Hotelinvestor Reinhard Baumhögger ermittelt. Am 21. März schlug das LKA Thüringen zu. Bei Bürodurchsuchungen in Bad Arolsen (Hauptsitz der Hospitality Alliance), Friedrichroda, Korbach, Waltershausen, Weimar und Berkheim wurden Unterlagen sichergestellt. Ein ordentliches Ermittlungsverfahren ist eingeleitet, die Landesbehörden prüfen die Verwendung der einst gezahlten Zuschüsse zum 15 Millionen Euro schweren Hotelbau. Verwickelt ist auch die Stadt Friedrichroda, die Miteigentümer des Kurmittelbetriebes (Investition: 6,75 Millionen Euro) ist. (...)
_______________________________________________________________
Erschienen in «hottelling» im Februar 2006:

Wie der weltweite Online-Marktplatz auch für Hotels zum großen Umsatzfaktor wird
Alle zwei Minuten wird bei eBay.de ein Hotelangebot oder eine Kurzreise gebucht. Bis zu 10.000 Offerten sind auf dem weltweiten Online-Marktplatz verfügbar. Damit ist eBay in Deutschland längst zu einem ernst zu nehmenden Buchungskanal für die private - und Konzernhotellerie geworden. Das noch recht junge Segment Reisen gehört zu den am stärksten wachsenden Bereichen bei eBay – und die deutsche Tochtergesellschaft ist damit weltweit Vorreiter auch für die Muttergesellschaft in den USA. "Aktuell haben wir ein paar tausend Verkäufer, darunter sind etwa 15 große Anbieter, die ‚PowerSeller‘", erläutert Karim Lankarany, Senior Category Manager Reise bei eBay in Deutschland. Der größte Anbieter von Hotelgutscheinen ist die Berliner Firma Cultuzz Digital Media, die etwa 30 Prozent des Marktvolumens in der Kategorie Kurzreisen repräsentiert. Bisher ist für alle Anbieter von Hotelgutscheinen viel Wachstum vorhanden. Unter den Verkäufern, "Seller" genannt, ist der Vertriebs- und Marketingkanal eBay oft schon Standard. Unter den Käufern wäre noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit nötig, meint Lankarany selbstkritisch. Daher präsentiert sich das Reisesegment von eBay gezielt wieder während der ITB (Halle 17 / Stand 103) und veranstaltet unter anderem ein Gewinnspiel, um noch mehr Interessenten für die Hotelvoucher und Kurzreisen anzuwerben. (...)
Erschienen in «hottelling» im Januar 2006:

Wie die Lebensmittelindustrie mit Food-Design das Essen manipuliert
Jean-Claude Bourgueil kannte keine Skrupel. Der Starkoch ließ das Töpfchen mit Glutamat-Pulver für jedermann sichtbar in seinem Düsseldorfer Restaurant "Im Schiffchen" stehen. Bis darüber ein Journalist schrieb und den Skandal auslöste. Bis heute versteht Bourgueil, einer von sieben Chefköchen mit Drei Sternen Michelin in Deutschland, die Aufregung nicht. Glutamat ist in aller Munde – und sparsam eingesetzt ein Wundermittel. Dass sich das feine Pulver zu einer Geißel der Ernährung mausert, hätte Bourgueil nicht gedacht. In Deutschland werden jährlich rund 39.000 Tonnen Glutamat von der Lebensmittelindustrie verarbeitet – in Suppen, Soßen, Bouillons, Würstchen und Kartoffelchips. Nicht schlimm? Glutamat kann Körperfunktionen stören, zu Übergewicht führen und sogar das Hirn schädigen – berichtet der ehemalige "Spiegel"-Redakteur und Foodautor Hans-Ulrich Grimm in seinem Buch "Die Suppe lügt". Das 200-Seiten-Werk erschien nun in einer aktualisierten Neuauflage und beschreibt, wie das neue "Food-Design" die menschlichen Sinne manipuliert. Grimm nennt Roß und Reiter, darunter große Unternehmen und Marken wie "Iglo", Maggi, Knorr und Müller Milch. (...)
Erschienen in «hottelling» im Oktober 2005:

Großaufträge aus Kuwait für Hotelentwickler aus Mainz
Feuring – Visionary Hotel Development – wurde mit der Entwicklung eines ganzen Hotelportfolios im Nahen und Mittleren Osten beauftragt. Im Auftrag der kuwaitischen National Real Estate Company (NREC) werden in den kommenden Jahren 50 Häuser im oberen Drei-Sterne-Segment geplant. Bereits begonnen wurde mit einer Projektentwicklung in Beirut/Libanon. Dies gibt Feuring in der ersten Ausgabe der Unternehmenszeitung "WINDROSE" bekannt. Die "WINDROSE" erscheint im DIN A4-Format mehrmals im Jahr und wird zur Immobilienmesse EXPO REAL (10. bis 12. Oktober in München) an Partner der Unternehmensgruppe verschickt.
Ein weiteres Großprojekt der Unternehmensgruppe ist die Entwicklung eines Luxusresorts auf den griechischen Westpeleponnes. Die Anlage wird auf einem 370.000 Quadratmeter großen Grundstück 125 Zimmereinheiten und 268 Luxusapartments umfassen. Zudem ist ein 3.600 Quadratmeter großer Spa und ein PGA-Golfplatz geplant. Betreiber wird ein namhafter internationaler Betreiber sein, der Spitzenstandards in der Resort-Hotellerie im Mittelmeer einführen wird. Um die Ansprüche dieses Betreibers erfüllen zu können, wurde die Grundfläche der Zimmer auf mindestens 60 Quadratmeter (!) ausgelegt. (...)
Erschienen in «hottelling» im September 2005:

Zu viele Ungereimtheiten bei deutschen Hotelfonds "Dubai 1000" – Betreibervertrag mit Maritim
Dubai ist eine Märchenstadt mit Palästen aus Gold und Seide. Menschen aus aller Welt strömen herbei, handeln und werden reich. Alles lebt in Wohlgefallen.
Wie ein Märchen aus 1001 Nacht hören sich die Geschichten aus der Touristenmetropole am Persischen Golf an. Ein Hotel ist luxuriöser als das andere. Der Strom an ausgabefreudigen Touristen reißt nicht ab. Und nun bauen ausgerechnete Deutsche noch das größte Hotel am Platz. Georg Recker, deutscher Finanzberater mit Sitz in Dubai (steuerlehrgang.de), bietet seinen Hotelfonds "Dubai 1000" an: ein 1050-Zimmer-Hotel vor den Toren der Stadt, das Maritim betreiben will; wir berichteten. Die Sache hat einen großen Haken: Der 35 Stockwerke hohe Turm soll 2007 schon eröffnet werden. Doch noch ist von "Dubai Land", dem geplanten großen Freizeitpark, in dem das Maritim Hotel Dubai stehen soll, nichts zu sehen.
Der nachgereichte Fondsprospekt nennt für das "erste Betriebsjahr 2007" einen Gesamtumsatz von 22,192 Millionen Euro. Im Jahr 2009 will man dann schon ein Nettobetriebsergebnis von 44% vom Umsatz erreicht haben. Erfahrene Hotelentwickler nennen diese Angaben schlicht "unverantwortlich". In vergleichbaren Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Dubai käme man allenfalls auf eine Umsatzrendite von maximal 35 Prozent. (...)
Erschienen in «hottelling» im August 2005:

Verbändekonsortium startet zufällig im Tagungs-Boomjahr das Zertifikat "Certified Conference Hotel" und bringt tatsächlich unterschiedliche Interessen unter einen Hut – Drahtzieher ist Haakon Herbst
Manchmal muss man sich fragen, wo er eigentlich nicht dabei ist. Der Hotelberater Haakon Herbst legt mit dem Start des MICE-Gütesiegels "Certified Conference Hotel" einen Coup hin, der über die Grenzen Deutschlands hinaus beachtet wird. Der Chef der Beratungsfirma Hospitality Consulting und Vorstandsmitglied der HSMA gilt als der Drahtzieher des neuen verbandsübergreifenden Zertifikats, das nicht nur individuellen Tagungshotels mehr Vermarktungschancen bringen soll. Auch Konzernbetriebe von Dorint-Novotel, Mercure, NH und Maritim wollen ausgewählte Häuser offiziell zertifizieren lassen, bei Steigenberger läuft der Verfahren bereits. Schließlich wurde das detaillierte Kriteriensystem federführend von Travel Manager von Großkonzernen und Veranstaltungsplanern entwickelt. Um es auf den Punkt zu bringen: "Certified Conference Hotel" ist die effiziente Weiterentwicklung des Businesshotels-Siegels "Certified Hotel" (bereits 250 zertifizierte Hotels).
Und noch etwas. Alle glauben an das neue Qualitätssiegel. Erst dann hat ein System, bei dem die Häuser von Profis hart getestet werden, auch Erfolg. Dass sich einige IHA-Mitgliedsbetriebe auch selbst als gutes Tagungshotel einschätzen "dürfen", fällt hierbei kaum ins Gewicht. "Ob Selbsteinschätzung oder Prüfungsprozess, ein Tagungshotels sollte sich nur dann als solches bezeichnen dürfen, wenn es die Verbandskriterien erfüllt", konstatiert Herbst. (...)
Erschienen in «hottelling» im Juli 2005:

Teilnahme am "Exklusiv Preis"-Programm von HRS.de löst kontroverse Diskussion aus – Hotelkette gerät in Bedrängnis
Eigentlich wollte Andreas Krökel, Marketingvorstand der Lindner Hotels & Resorts, nur eines: Wachstum bei den Internetbuchungen. Das Ziel ist ein Umsatzanteil von 25 Prozent, so schnell wie möglich. Eigens dafür schloss er einen Exklusivvertrag mit HRS.de und freute sich, die erste Hotelkette im Discountratenprogramm "Exklusiv-Preise" zu sein. Doch der Schuss scheint nach hinten loszugehen. Erst schloss ehotel.de die Hotelgruppe aus dem System aus, dann kündigte opodo.com den Empfehlungsstatus – und jetzt geben auch die großen Reisebüro-Consortia klare Warnschüsse nach Düsseldorf ab. Scheinbar ist alle Welt gegen Lindner.
"TQ3 setzt sich auf jeden Fall dafür ein, dass die Ratenparität über alle Vertriebswege gewahrt wird. Bei einer Missachtung der Ratenparität überlegen wir, welchen wir in der Zukunft einschlagen", sagt Annette Kißling, Marketingdirektorin von TQ3 Travel Solutions. Der Wink ist klar: Entweder unterbietet man bei Lindner künftig nicht mehr alle anderen Raten – das Exklusiv-Preis"-Programm verlangt um mindestens zehn Prozent niedrigere Raten – oder ... Oder was? Bei TQ3, einem Touristikriesen mit elf Milliarden US-Dollar Umsatz, könnte man auf eine kleine deutsche Hotelkette mit 20 Häusern durchaus verzichten. Ob man bei Lindner auch auf einen Umsatzbringer wie TQ3 verzichten kann? (...)
Erschienen in «hottelling» im Juni 2005:

GDS erhöhen Listungsgebühren drastisch – Internetplattformen forcieren Preisdumping
Da draußen herrscht ein Preiskrieg. Seit Jahresanfang setzen die Global Distribution Systems (GDS) die Hotellerie mit abermals erhöhten Buchungs- und Listungsgebühren unter Druck. Gleichzeitig sorgen Internetbuchungsplattformen wie HRS.de mit "Exklusiv-Preisen" (zehn Prozent Rabatt!) für noch mehr Preisdruck. In der Hotellerie gärt es. Beim Meinungsführer Marriott wehrt man sich jetzt ganz offen. "Wir bezahlen die Listungsgebühren bei GDS nicht", sagt Bruno Wolf, Director International eCommerce Distribution. Um auf den Buchungsseiten der GDS möglichst weit oben zu stehen, werden rund 2.500 Euro je Hotel im Halbjahr verlangt. Amadeus, GDS-Marktführer in Deutschland, verlangt nun ebenfalls diese hohen Listungsgebühren; die Vermarktung übernimmt Travelclick. "Die Hoteliers waren anfangs skeptisch", gibt Bernd M. Droste, Chefberater von Travelclick in Deutschland, zu. Aber: "Durch die Nachweisbarkeit eines positiven Ergebnisses wurden die Listing Fees im Renewal sehr gut aufgenommen." Die Hotels hätten die Sondergebühren als effektives Tool erkannt. "Dieses Produkt ist uns ein Dorn im Auge", sagt Wolf für Marriott. Beim Meinungsführer in Sachen Distribution setzt man klar auf Konfrontation mit den GDS. Bruno Wolf klärte die Reisebüroketten über die Vorgänge auf und macht sich Gedanken für die gesamte Hotellerie: "Damit sind die kleinen Hotels in die Ecke gestellt." Der Preisdruck bei den GDS kommt nicht von ungefähr. Seit einiger Zeit verfolgen führende Airlines ganz offen eine Strategie gegen die GDS, die sie einst mit aufbauten. Ziel ist es, mit neuen Partnern die GDS-Ausgaben drastisch zu senken. Jährlich zahlen die Mitglieder der Star Alliance rund zwei Milliarden US-Dollar an Amadeus, Sabre, Galileo und Worldspan. Je Buchung fallen bisher 12 bis 13 US-Dollar an, plus Ticketing. Mit Hilfe der so genannten Global New Entrants (GNE) soll künftig nur noch ein Dollar Buchungsgebühr gezahlt werden. Die GNE sind Ersatzsysteme, die ähnliche Leistungen wie die GDS bieten. Ein wichtiges GNE ist die "FLX-Plattform" von Fairlogix. Das 1998 gegründete Unternehmen präsentierte sein Buchungssystem kürzlich auch vor deutschen IT-Experten von Airlines, Veranstaltern und Reisebüroketten. (...)
Erschienen in «hottelling» im Mai 2005:

Mängel bei telefonischen Reservierungen in Hotels – Oft kein Verkaufswille
Der junge Mann ist auf Zack. Das Telefon klingelt nur einmal, da meldet sich auch schon der Rezeptionsmitarbeiter im Le Méridien München. Die Preisanfrage beantwortet er gleich selbst und siehe da: Die Preispolitik von Le Méridien ist einheitlich, gleich ob im Internet oder am Telefon. Das ist erfreulich, so soll es sein, nur ist es leider nicht immer so. Im InterContinental Berlin gibt es telefonisch nur noch ein Deluxe-Zimmer für 190 Euro zu reservieren; gleichzeitig ist bei HRS.de ein Standardzimmer für nur 136 Euro zu haben. Preischaos in der Leitung.
Die Ratenunterschiede sind oft beträchtlich. Im Excelsior Ernst, ein Leading Hotel am Kölner Dom, will die Reservierung noch 220 Euro für ein Einzelzimmer haben. Erst nach hartnäckigem Nachfragen gibt man einen "Special Price" von 180 Euro ohne Frühstück heraus; doch in allen wichtigen Buchungsportalen (siehe "Der Preiswächter" in dieser Ausgabe) ist exakt diese günstigere Rate offen ausgewiesen.
"Oft fehlt der Wille zum Verkauf am Telefon", sagt Gerd Weingrill. Der ehemalige Hilton-Direktor ist mit seiner Grazer Firma Opinionis auf Qualitätstests spezialisiert. Seine Mystery Checks per Telefon werden von zahlreichen Häusern gebucht, um Schwachstellen aufzuspüren. Und die gibt es noch zuhauf. (...)
Erschienen in «hottelling» im April 2005:

Pharma-Travel Manager Dirk Bremer (Lilly Deutschland) zu den Auswirkungen des Pharmakodex
Herr Bremer, wird durch den neuen Pharmakodex für Fachwerbung das Tagungsaufkommen der Pharmaindustrie merklich reduziert? Dirk Bremer: "Die Einführung des Kodex für freiwillige Selbstkontrolle hat die Zahl der Tagungen, die Lilly durchführt, nicht negativ beeinflusst, denn diese ist abhängig von den Notwendigkeiten für Fortbildung. Bedingt durch unsere neuen, innovativen, Arzneimittel verzeichnen wir sogar eine leichte Steigerung unseres Tagungsaufkommens. Bei der Durchführung achten wir seit jeher auf Gesetzeskonformität."
Welche Konsequenzen ergeben sich für Tagungshotels en détail? Bremer: "Tagungshotels abseits der Ballungszentren oder in einem touristischen Umfeld spüren sicher die Anwendung und die Auswirkungen des Pharmakodex. Auch gehört die Fünf-Sterne-Hotellerie primär nicht mehr zu dem Kreis von Hotels, welcher für Veranstaltungen gebucht wird. Eine positive Konsequenz hat sich sicher für die Vier-Sterne-Hotellerie ergeben. Wäre ich Betreiber einer Hotelgesellschaft, würde ich meine Investments primär im Drei- und Vier-Sterne-Bereich mit entsprechenden Tagungsmöglichkeiten vornehmen."
Werden die Ausgaben der Pharmafirmen für die Hotelaufenthalte und Restaurantbesuche von Ärzten und anderen Gästen merklich sinken? Bremer: "Die Beantwortung dieser Frage steht in Abhängigkeit davon, wieviele innovative Arzneimittel ein Unternehmen am Markt hat und welcher Fortbildungsbedarf für die Ärzte sich hieraus ergibt. Wir sorgen bei unseren Fortbildungsveranstaltungen für eine angebrachte Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer. Generell werden die Ausgaben für die Hotellerie sich nicht stark verändern, dafür sorgt schon die Preispolitik der Hotellerie. Die Ausgaben für Food & Beverages dagegen sollten sich bereits reduziert haben."
Ist mit anderen Veranstaltungsformen zu rechnen? Bremer: "Ich denke nicht, dass sich die Veranstaltungsformen ändern werden. Solange die Pharmaindustrie einen Fortbildungsauftrag gegenüber der Ärzteschaft hat, sollte sie diesem in einem angemessenen Rahmen nachkommen."
Herr Bremer, vielen Dank für das Interview.
Dirk Bremer ist im Strategic Procurement von Lilly Deutschland für den Bereich Travel zuständig. Im VDR leitet er den Hotel-Round Table. Die Fragen stellte Carsten Hennig.
Erschienen in «hottelling» im März 2005:

Die Spin Doctors im Krisenfall Helmut Fitz – Kaum einer spielt mit offenen Karten
Die Zornesröte muss ihm ins Gesicht gestiegen sein. Helmut Fitz, Hotelkönig vom Ramada-Treff und Millionen-Pleitier, reagierte auf eine Interviewanfrage äußerst gespannt: "Sie haben ihre Kampagne bisher auf den Aussagen fristlos aus wichtigem Grund entlassenen Führungskräften aufgebaut", schreibt Fitz an die Redaktion dieser Fachzeitschrift. Auf die Interviewfragen geht er nicht ein. Schon in der Recherche vor dem ersten Beitrag über das "Kartenhaus des Helmut Fitz" (vgl. Ausgabe Dezember 2004) war sowohl von Fitz senior als auch der Hospitality Alliance AG, Dachgesellschaft von Ramada Treff Deutschland, nichts Konkretes zu erfahren. Eine erste Interviewanfrage von November 2004 wurde bis heute nicht beantwortet. (...)
Erschienen in «hottelling» im Februar 2005:

Über Erfolge und Mißerfolge des charismatischen Hoteliers – Neustart mit Privatclub in Miami Beach
Reto Gaudenzi ist ein Macher. Der charismatische Hotelier mit schweizer-italienischen Wurzeln steht voll auf dem Gaspedal. Gerade eröffnet er als Geschäftsführender Direktor die ehemalige Versace-Villa in Miami Beach als Privatclub "Casa Casuarina" wieder. Doch den 53-Jährigen Sonnyboy holen dunkle Wolken aus der Alten Welt ein – sein Berliner Unternehmen St. Moritz Consulting GmbH ist insolvent und aus dem Engadin tönen böse Stimmen. Der weltweit gefeierte Polo-Star und VIP-Gastgeber gilt in der alten Heimat nichts mehr viel.
In St. Moritz ist von unschönen Vorkommnissen, unbezahlten Rechnungen und "Scherbenhaufen" die Rede. "Man erinnert sich gerne an die Gleichung Polo = Gaudenzi", schrieb die "NZZ am Sonntag"."Überall hat er Trümmerhafen zurück gelassen", seufzt Reto Mathis, Präsident des St. Moritz Gourmet Festivals und ehemaliger Schützling von Gaudenzi. "Das ist so seine Art." Unerreicht sei das Winter-Polo, das Gaudenzi für die Reichen und Schönen schuf. Doch das Sommerturnier des Elitesports brachte den Poloclub in größere finanzielle Schwierigkeiten. "Das war ein Fiasko. Der Schuss ging nach hinten los", erinnert sich Mathis. (...)
Erschienen in «hottelling» im Januar 2005:

Tochter des Accor-Vice President Asia Pacific verliert Vater, Mutter und Brüder – Viele Hotels von der Tsunami-Flut schwer getroffen
Es füllt uns mit Trauer und Demut, mit nur noch wenig Hoffnung um das Auffinden des Vaters der kleinen Zoe Shiu (6), die sich auf einer Matratze festklammern konnte und so die Katastrophe überlebte. Ihr Vater, Reggie Shiu, ist Senior Vice President von Accor Asia Pacific und verantwortlich für die Expansion in China. Nach wie vor ist kein Lebenszeichen von ihm zu erhalten; jedoch wurde Mr Shiu auch nicht in den Leichenhäuser identifiziert. Es ist zu befürchten, dass Zoe die einzige Überlebende der Familie sei, wird berichtet. Sie wurde zu Verwandten nach Singapur gebracht. Die Hoffnung, ihren Vater, ihre Mutter und ihre zwei Brüder wiederzufinden, bleibt. Hoffnung ist eine der Kardinaltugenden, und Optimismus ist Pflicht. (...)
Erschienen in «hottelling» im Dezember 2004:

Für die Gläubiger verliert sich die Spur in der Schweiz – Mehrere Verfahren laufen noch
"Da ist kein neuer Fall Fitz, sondern immer noch alte" – Die Reaktion von Ernst Kesper, Geschäftsführer der Welcome Hotels, auf den Bericht "Ein neuer Fall Fitz" ("hottelling", November-Ausgabe) ist eindeutig. Im Falle des Ramada-Treff Hotel Bad Wildungen, das nun im Management der Göbel-Hotelgruppe steht, hätten die Gläubiger seit 1998 bis heute keinen Cent Zinsen erhalten. Die Immobilienbesitzgesellschaft steht unter Insolvenz (Verwalter: RA Wilhelm Göbel) und wird wohl den Franchisevertrag mit der Hospitality Alliance AG (Masterfranchisenehmer der Cendant-Hotelmarke Ramada) lösen. König im Immobilien- und Hotelbetriebsimperium, das in Deutschland als Hospitality Alliance AG firmiert, ist immer noch Helmut Fitz. Der Senior hat zwar schon im Jahre 1999 den persönlichen Offenbarungseid abgelegt, dirigiert aber bis heute das schwer überschaubare Geflecht aus Holdings und operativ tätigen Gesellschaften. Schon seit Jahren versuchen zahlreiche Gläubiger, darunter namhafte Bankhäuser wie Aareal oder Helaba, an Helmut Fitz heranzukommen. (...)
Erschienen in «hottelling» im November 2004:

Abgebliche Reisejournalisten zocken mit immer dreisteren Methoden ab
Der Herr stellte sich artig vor. Er komme vom deutschen Magazin "Schöner Wohnen" und berichte über die schönsten Luxusresorts in den USA. Ob er nicht ein Zimmer bekommen könne. Der Mann blieb dann eine Woche in dem luxuriösen Ferienhotel in den Südstaaten und ließ sich verköstigen. Der Coup flog erst auf, als ein leitender Redakteur von "Schöner Wohnen" in just dieses Hotel kam. Warum denn schon wieder jemand von dieser Zeitschrift käme, lautete die Frage. Erst da dämmerte dem Hotelier, dass er auf einen Schwindler herein gefallen war.
Nepper, Schlepper, Bauernfänger – Reisejournalisten haben immer wieder mit schwarzen Schafen aus ihren Reihen zu kämpfen. Die Zunft der reisenden Schreibenden ist mittlerweile in Misskredit geraten. "Das sind Abzocker und obendrein noch schlecht gekleidet", schimpft ein Tourismusexperte. (...)

Erschienen in «hottelling» im Oktober 2004:

Erhebliche Pachterleichterungen für ehemaliges Four Seasons Hotel Berlin, das nun unter Regent läuft
Nein, Stefan Simkovics hatte keinen Fehler gemacht. Der ehemalige Chef des Ex-Four Seasons Berlin schlich wie ein geschlagener Hund von dannen, als man ihm sein Hotel wegnahm. Aber sein Arbeitgeber, Four Seasons Hotels & Resorts aus Toronto, hatte im vergangenen keine Mietzahlungen mehr geleistet. Im August dieses Jahres musste dann der Vermieter und Immobilieneigner HGA Capital die Notbremse ziehen. Und: "Four Seasons war zu Änderungen bezüglich des Hotelkonzeptes nicht bereit", schreibt HGA beleidigt in einer Pressemitteilung.
Die Partner mochten sich also nicht mehr. Die Anleger kommt dies nun teuer zu stehen; der geschlossene Immobilienfond war vor vier Jahren aufgelegt worden. Sie müssen nun bis 2008 auf Ausschüttungen verzichten. HGA Management (Fonds- und Objektverwalter) und HGA Capital (Fondsinitiator) verzichten die nächsten vier Jahr lang auf ihre Gebühren. Die kreditgebende HSH Nordbank, eine Fusion der Hamburgischen Landesbank und Landesbank Schleswig-Holstein, verzichtet bis 2006 auf die Tilgung. Andere gehen auf diese Weise bankrott. (...)
Erschienen in «hottelling» im August 2004:

Olaf Trebing-Lecost fällt mit Hotelkritik unter der Gürtellinie negativ auf
Gegen sachliche Kritik hat keiner etwas. Gerade in der qualitätsorientierten Hotellerie lebt man von den Verbesserungswünschen der Gäste und auch von weitgereisten Journalisten. So gilt das Urteil von namhaften Autoren wie Heinz Horrmann ("Die Welt") oder Mary Gostelow (WOWtraveler.net) etwas. Wer Schläge unter der Gürtellinie austeilt und sich obendrein auf Kosten der Häme selbst hervorhebt, vergreift sich im Ton. So ist es bei Olaf Trebing-Lecost. Der Oldenburger Journalist gibt im Eigenverlag einen "Hotel & Restaurant Guide" nun bereits zum vierten Mal heraus – und macht mit unverschämt persönlicher Kritik von sich reden, so die einhellige Branchenmeinung.
Über Robert A. Schaller, einem verdienten Steigenberger-Mann, schmutzt er. Als Interimsmanager des Kölner Leading Hotel Excelsior Ernst traut er ihm nichts zu, allein aufgrund seines Alters. Wilhelm Wehrmann, langjährig erfolgreicher Parkhotelier aus Bremen, kanzelt er ab, nachdem seine ungefragter Rat nicht auf Gegenliebe stieß. Seine Streitfälle dokumentiert Trebing-Lecost auch noch in hämischen Stil auf seiner Homepage. "Viel Feind, viel Ehr", rühmt er sich selbst. Da freut er sich über eine Krisen-PR-Aktion vom Le Méridien Hildesheim, die nach einem Schmähbericht hin gestartet werden musste.
Doch wer ist schon Trebing-Lecost? Beim Buchversender amazon.de rangiert sein Guide mit Verkaufsrang 55.982 unter ferner liefen. Bei Libri, dem wichtigsten Vertriebspartner für Buchverleger, ist Trebing-Lecost gar nicht gelistet. (...)
Erschienen in «hottelling» im Juli 2004:

Über die «Cucina Moleculare» im Grand Hotel Villa Serbelloni in Bellagio
Der Fachbeitrag präsentiert eine in Deutschland noch unbekannte Küchentechnik, die von namhaften Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit Gourmetköchen entwickelt wurde - - In der Ausgabe No 01 von «hottelling» -
Erschienen in «hottelling» im Juli 2004:

Über Restauranttester und ihren manchmal zweifelhaften Ruf
Restauranttester haben Macht. Ihr Urteil kann über Wohl und Wehe von Gourmettempeln und auch Köchen entscheiden. Aber längst nicht jeder versteht etwas vom Essen. Gute Tester müssen schon ein Vermögen „verfressen" haben, um die Großen rezensieren zu dürfen.
Als Robert Krebs eine Million Mark Etat überschritten hatte, war er auf dem Höhepunkt seiner Testermacht. Der Hamburger Koch und Journalist schrieb jahrelang für „Bild" und „DM Euro", war Stammtester für den Bertelsmann-Guide, bekannt und berüchtigt in der bundesweiten Elite der Restaurateure, wie Gastronomen ehrfurchtsvoll genannt werden. Mit dem Herausgeberwechsel beim Bertelsmann endete dieses Kapitel, es folgte ein kruder Streit ...
********************************************************
Mitschnitt eines Telefongespräches im Rahmen einer Recherche über Restauranttester:

Herr Siebeck, was zeichnet einen guten Restaurantkritiker aus?Wolfram Siebeck: Die Tatsache, dass man mit keinem einzigen Küchenchef befreundet ist. Und ein großes Maß an Erfahrung. Man kann nur wissen welcher Wein gut ist, wenn man 1000 Flaschen getrunken hat. Und so ist es auch bei den Restaurants, man sollte schon in ein paar Hundert gewesen sein.
Gibt es verbindliche Verhaltensregeln für Kritiker? Bloß kein Aufhebens machen, den Tisch nicht bestellen und dabei darauf hinweisen, dass ein Journalist zu Besuch kommt. Ich gehe in fremde Restaurants wie jeder andere Tourist auch; und wenn ich neben den Eingang zur Toilette gesetzt werde, kann ich hinterher darüber schreiben, wenn ich das für wichtig halte. Aber irgendwer muss schließlich dort sitzen, wenn der Laden voll ist.
Welche Vorbildung muss ein Kritiker mitbringen, muss man Koch sein? Nein, muss man nicht. Aber es ist natürlich hilfreich zu erkennen, warum das Fischfilet trocken ist und die Bohnen halbroh sind. Dazu genügt jedoch eine reiche Erfahrung.
Sind Laienkritiker, die ihre Restaurantbesuche nur nebenbei betreiben, denn schlechter als Profis? Ja, sie sind schlechter, weil sie Laien sind. Man würde ja auch einem Laien keine Rezension eines Symphoniekonzerts anvertrauen. Oder die Reparatur eines modernen Achtzylindermotors. Viele Kollegen sind Laien geblieben, weil sie sich nicht aus eigenem Antrieb weiterbilden. Das heißt, sie fahren nicht mal eben nach Paris oder nach Roses, um dort auf eigene Kosten bei einem der Großköche zu essen. Das aber darf man von jemandem erwarten, der die Feine Küche angeblich so liebt, dass er darüber schreiben will. Diese Sonntagskritiker warten darauf, dass ein Verlag ihnen die Spesen bezahlt. Und der schickt erfahrungsgemäß keine Laien zu Ducasse oder Adrià. Laienhaft bleiben auch Kritiken von Autoren, die aus Geiz oder Faulheit ihren Landkreis nicht verlassen und deshalb nur den Koch vom "Ochsen" mit dem Koch von der "Alten Post" vergleichen können. Wer nicht weiß, wie gleichzeitig in Paris, London, Berlin und Lyon gekocht wird, der sollte sich auf das Schreiben von Kochbüchern beschränken: dabei kann er in aller Ruhe abschreiben, was andere schon gewusst haben.
Wie haben Sie denn einmal angefangen als Restaurantkritiker? Ich war früher stets in Frankreich auf Reisen und habe mit großem Vergnügen gegessen. Die Leidenschaft wurde immer größer. Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich begann, über Restaurants zu schreiben. Grundsätzlich gilt das für alle Kritiker: Man muss sich das Wissen hart erarbeiten.
Gibt es noch viele selbst ernannte Kritiker, die sich selbst einladen? Die gibt es in unserer Branche viel zu häufig. Werden diese Schnorrer eingeladen, finden sie alles gut, was der Koch ihnen vorsetzt. In der Gastronomie weiß jeder, was da läuft. Da kann hereinkommen wer will, freundlich begrüßt wird jeder. Aber die interne Meinung über uns ist nicht die beste.
Gibt es das auch bei den großen Restaurantführern? Durch den Tod von Bernard Loiseau (der französische Drei-Sterne-Koch nahm sich Ende Februar das Leben, nachdem ihm der Gault Millau Frankreich von 19 auf 17 Punkte abgewertet hatte, Anm. d. Red.) kam Kritik auf. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass die wenigen Tester von Gault/Millau Frankreich bis zu drei Mal am Tag essen müssen. Und das permanent! Wer das durchhält, kann durchaus auf die Idee kommen, eigentlich dürfe er für diese Strapaze nicht noch zahlen müssen. Also lassen sie sich gern einladen. Manche stehen auf und fragen erst gar nicht nach der Rechnung.
Aber haben die Köche, die sich das gefallen lassen, nicht auch Mitschuld? Gewiss, die meisten überschätzen sich, einige benehmen sich wie Popstars und werden größenwahnsinnig. Loiseau ist sogar an die Börse gegangen.
Und die Kritiker haben keine Mitschuld? Unsinn. Dann müssten sich unsere Literaten reihenweise umbringen. Die sitzen jahrelang an einem Roman oder Theaterstück. Da schmerzt ein Verriss viel mehr als eine negative Restaurantkritik. Das Unglück der Köche ist meistens selbstverschuldet. Ihre ungeheuren Investitionen in das, was sie sich unter der Eleganz ihres Ladens vorstellen, ist häufig fatal. Wenn sie dann kein Geld mehr haben, leidet darunter zwangsläufig die Qualität der Produkte und damit des Essens.
Aber Einfluss haben die Gourmetbibeln doch wohl? Natürlich; und es ist für mich das Schönste, wenn ich höre, wie nach einer positiven Kritik das Restaurant eines Anfängers plötzlich läuft. Der Einfluss der Guides ist noch viel größer, weil sie ein ganzes Jahr auf dem Markt sind. Aber so objektiv ihre Kritiken auch scheinen, sie sind es nur theoretisch. So ahndet der Gault Millau Deutschland die Verwendung von Glutamat im "Schiffchen" von Jean-Claude Bourgueil mit Bewertungsentzug, während Heinz Wehmann vom "Landhaus Scherrer", bei dem die Kollegen ebenfalls Glutamat registriert haben, ungeschoren davon kommt.
An was müssen junge Nachwuchskritiker immer denken? Sie dürfen sich nicht aufspielen, nicht wichtig nehmen.
Vielen Dank für das Interview. Die Fragen stellte Carsten Hennig. Wolfram Siebeck ist einer der bekanntesten Restaurantkritiker und schreibenden Gourmets Deutschlands. Er ist „Zeit"-Kolumnist und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Mehr Infos: www.wolfram-siebeck.de.
********************************************************
Erschienen in «hottelling» im April 2004:

Hotellerie stöhnt über Preisdruck von Online-Marktführer
Laut Vertrag ist der „lokalbeste Firmenpreis" fällig. HRS nutzt seine Marktmacht bei Onlinereservierungen schamlos aus, meinen viele Hoteliers. Zehn bis 12,5 Prozent Provision (vom Onlinebuchungsumsatz) werden fällig bei HRS. Plus eine Provision auf den Jahresumsatz. Plus eine Jahresgebühr von 250 Euro. Und wer nicht die beste Rate gibt, so der härteste Vorwurf, wird aus dem System herausgenommen oder landet bei den Listungen eben weit unten. Robert Ragge, Inhaber, und sein Mitgeschäftsführer Hartmut Keil sind nicht gerade kooperativ. Es gibt kaum Schnittstellen zu anderen Internetbuchungssystemen. Und Affiliatelösungen lohnen sich kaum, da Zehntausende Buchungen generiert werden müssen, bevor es überhaupt zu einer Provisionsauszahlung im Promillebereich kommt. Zwar ist kein Hotel gezwungen, mit HRS zusammen zu arbeiten. „Aber daran vorbei kommt auch keiner", meint ein Insider. Doch der Widerstand wächst. Ein erster Firmen-Großkunde soll bei HRS abgesprungen sein. Die Hotellerie sucht verzweifelt nach Alternativen. Auf einer VDR-Tagung am 13. Mai in Hamburg sollen zum Beispiel hotel.de und webres zeigen, was sie anders und besser können als HRS. Der Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) selbst verhält sich möglichst neutral, aber eben nicht ganz. Auf vdr-online.de kann man bei HRS buchen. Aber jüngst wurde eine Zusammenarbeit mit hotelfinder.de vereinbart. Die sog. „VDR-Certified Hotels" sind damit in sieben Buchungssystemen vertreten. Im Verband will man sich alle Wege offen halten. Bei offiziellen Statements hält man sich mit allzu harter Kritik zurück. Verständlich, denn wer vorprescht könnte von HRS abgestraft werden. „Es ist natürlich immer problematisch mit HRS, da wir einen top-niedrigen Preis anbieten müssen", so Kai Hollmann, Geschäftsführender Direktor des Hamburger Hotels Gastwerk... (to be continued)
********************************************************
Erschienen in «hottelling» (April 2004) und «Mediterranean Business World» (März 2004)

Über 30 Hotels in Mittelmeerraum und Kerneuropa zählt die Corinthia Grouppe nun. Deren CEO und Gründer Alfred Pisani, ein maltesischer Unternehmer, zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftspersönlichkeiten in Malta und in der Welt der Hotelimmobilien. Mit der eigenen Investmentgesellschaft IHI kauft er Immobilien und verpachtet dies an Corinthia. Das börsennotierte Unternehmen ist einer der besten Performer in diesem Segment.
Von Carsten Hennig
Ein Staatsmann. Alfred Pisani empfängt wie selbstverständlich Staatsgäste in seinen Hotels. Dem 64-jährigen Hotelier aus Malta werden beste Beziehungen zu Entscheidern aus Politik und Wirtschaft in Lybien nachgesagt. Nicht nur, weil er eines seiner Corinthia-Hotels auch in Tripolis platziert hat. Er hat sich die Malteser Philosophie der Diplomatie im Mittelmeer zu Eigen gemacht und gilt als Bindeglied zu diesem hoffnungsvollen nordafrikanischen Markt. „Die US-Sanktionen werden allmählich gelüftet", konstatiert Pisani. Es sei ein positives Indiz, dass erst im November vergangenen Jahres das internationale Wirtschaftsembargo gegen Lybien für drei Monate ausgesetzt wurde. „In Lybien ist man nun für Investitionen in die Infrastruktur und in die Ölwirtschaft offen", sagt Pisani. Er muss es wissen. Der Chef des im Mittelmeer-Raum und europäischen Magistralen umfassenden Hotel-Imperiums Corinthia hat erst kürzlich in Tripolis ein eindrucksvolles Fünf-Sterne-Haus eröffnet, was man in luxuriösen Lagen in Dubai oder Paris vermuten würde, wüsste man es nicht besser. Natürlich, ein Hotel ist der erst Ort, an dem sich neue Wirstchaftsbeziehungen knüpfen können, und dies in äußerst angenehmer Atmosphäre. „Da ist ein gewisser Strom an internationalen Beratern und Ingenieuren in Tripolis zu erwarten", sieht der Hotelier. Über die Auslastung seines Hauses wird sich Pisani kaum Sorgen machen müssen. Gut informierte Quellen weisen auf über 700 Staatsbetriebe in Lybien hin, die privatisiert werden sollen. Ein immenser Markt … (to be continued)
Bitte beachten: Alle Texte sind geschützt. Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit vorheriger Genehmung des Autors.

|